Digitalisierung

Unser Weg zur medial kompetenten Schule

Die Winfriedschule hat in den letzten Jahren bedeutsame Fortschritte im Bereich „Digitalisierung“ gemacht. In diesem Beitrag sollen diese beschrieben und zudem ein Blick in die nahe und etwas fernere Zukunft dieses Prozesses gewagt werden, der in enger Abstimmung zwischen Steuergruppe, Schulamt, Schulleitung und Personalrat begleitet wird. Ziel dieses Prozesses ist das Entwickeln und fortwährende Evaluieren eines schuleigenen Medienbildungskonzeptes, das unseren Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, digitale Kompetenzen zu erwerben, welche zu einer mündigen Teilhabe an unserer Gesellschaft beitragen und hilfreich bei der Gestaltung unserer Zukunft sein sollen.

Phase 0: Es war einmal vor langer, langer Zeit, da fristeten digitale Werkzeuge und deren Einsatz im Unterricht ein eher unscheinbares Leben an der Winfriedschule. Auch wenn hier und da vereinzelt gerne experimentiert wurde, mangelte es doch an einem gemeinsam getragenen Konzept, an einem didaktisch wie pädagogisch fundierten Verfahren zur Auswahl digitaler Werkzeuge und der Art und Weise von deren nachhaltiger Verankerung im „Kerngeschäft“ des täglichen Unterrichtens. Kritisch wurde nach Mehrwert und Vorteilen gegenüber vermeintlich bewährten und liebgewonnenen Medien und Methoden gefragt und es war nicht unüblich, sich den Möglichkeiten und damit auch den frischen Impulsen, die durch derartige Werkzeuge den Lehr-/Lern-Prozess bereichern können, pauschal zu verweigern. Das Potenzial der schon in dieser Phase vorhandenen Hardware- und Softwareausstattung der Winfriedschule wurde nur ansatzweise genutzt und entwickelt. Bei der Abfrage des Ist-Standes der Digitalisierung in den einzelnen Fachschaften durch die Steuergruppe verzettelte man sich noch in Details, was den Blick auf das große Ganze erschwerte.

Phase 1: Dann kam Corona …als Katalysator des Digitalisierungsprozesses.

Mit der Lockdown-Erfahrung einer geschlossenen Schule, anfangs fast völlig abbrechender Kommunikation, auch überforderten Lernenden, Lehrenden und Eltern trat der Krisenfall ein und nicht wenige warfen einen reuigen Blick zurück in Phase 0: „Hätten wir doch…, dann könnten wir jetzt…“ – Aber auch hier galt: Not macht erfinderisch und treibt die bewusste Suche nach Handlungsmöglichkeiten an. – Die Werkzeuge des Hessischen Schulportals, vor allem die Module „Nachrichten“ und „Mein Unterricht“ sowie die Videokonferenz-Plattformen (erst MS Teams, dann Big Blue Button) erwiesen sich als geeignete Verbündete, in vielen Fällen den Lehr-/Lern-Prozess wieder in Gang und Rhythmus zu bringen.

Entscheidend war die Wiederbelebung von Kommunikations- und Feedback-Schleifen, die im Zentrum allen Lernens stehen und es stetig antreiben. In bester Absicht geschnürte Aufgabenpakete, multimedial ergänzt und methodenreich gestaltet, die zu Beginn des Lockdowns per Mail zugestellt wurden, erwiesen sich letztlich nicht als konkurrenzfähiges Format im Vergleich zu einem Feedback integrierenden Modell des Lernens, wie es flächendeckend erst mit dem Wechselunterricht eingeführt werden konnte.

Noch in dieser Phase unvollständiger Klassen entwickelte sich bei vielen Kolleginnen und Kollegen eine Mischung aus Videokonferenz und passgenau sowie feinfühlig dosierten Aufgaben, kombiniert mit zusätzlichen Lernangeboten und – entscheidend – einer von der Lehrkraft kommentierten digitalen Abgabe für einen stets wechselnden Teil der Lerngruppe. Dieses Hybridmodell begegnete dem durch die Pandemie erzwungenen Wandel didaktisch und pädagogisch vertretbar.

Die für die Durchführung derartiger Settings erforderlichen Kompetenzen haben sich weite Teile des Kollegiums – sozusagen im „didaktischen Doppeldecker“ – eigenständig und in zahlreichen schulinternen digitalen Lehrkraft-Fortbildungen erarbeitet.

Mit der Rückkehr in den Präsenzunterricht begann die mehrstufige Verbesserung unserer Hardware-Ausstattung: alle Kolleginnen und Kollegen erhielten ein Dienst-iPad, in vielen Klassenräumen wurden die Kreidetafeln durch Digitale Tafeln mit Marker-Schreibflächen und flexiblen Projektionsmöglichkeiten ersetzt und seit kurzem sind auch die ersten beiden iPad-Koffer mit jeweils 20 Geräten für den direkten Einsatz von Lernenden im Unterricht nutzbar.

Die schon angesprochene individuell und eigenständig gesteuerte Fortbildung ist ein weiteres Kernstück unseres Fortschritts: Viele aus eigener Kraft und Expertise getragene Online- und Präsenz-Fortbildungen, die persönliche und betreute Übergabe der Dienstgeräte, niederschwellige Mittags-„FoB!Ts“ und Einführungen in den Umgang mit den neuen Werkzeugen sind unerlässliche Hilfen auf dem gemeinsamen Weg gewesen.

Ein wichtiger Meilenstein war der Pädagogische Tag Anfang Februar 2022, an dem nicht nur ein breites Angebot digitaler Werkzeuge zum Kennenlernen angeboten wurde, sondern der den Arbeitsprozess wiederbelebte, diese Werkzeuge didaktisch und pädagogisch verantwortet in den Unterricht zu integrieren und somit einen Beitrag zum Medienbildungskonzept der Winfriedschule zu leisten. Auch hier war der „didaktische Doppeldecker“ Durchführungsprinzip, denn die Organisation und Dokumentation wurde durch eine eigens angelegte Moodle-Seite mit Nextcloud-Materialordner umgesetzt. Unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten von Moodle wurden und werden dem Kollegium zudem auch durch das Jubiläums-Moodle und das unseren Digitalisierungsprozess begleitende Moodle bekannt.

Der Einsatz von Onlineformularen zur Erleichterung der Corona-Testungs-Dokumentation und auch der Sammlung und Speicherung von Einwilligungen zu Fotos in dieser Digitalen Festschrift sowie der Sammlung digital gestützter Unterrichtssequenzen bzw. Unterrichtsmodule hat dem Kollegium auch dieses mächtige Werkzeug erschlossen.

Eine Abfrage zu den medial orientierten Fortbildungen des Kollegiums im Rahmen der Rezertifizierung als MINT-ec Schule belegte, dass neben den hausinternen Fortbildungsangeboten seit 2020 auch eine erstaunliche Anzahl externer, fachgebundener Angebote zur Erweiterung der eigenen medialen und digitalen Kompetenzen genutzt wurden.

Ermutigt durch die Begleitung des Staatlichen Schulamts, haben wir uns angesichts all dieser Fortschritte und unserer Klarheit bzgl. der nächsten Schritte erstmalig um das Zertifikat „Digitale Schule“ beworben.

Damit sind die wesentlichen Aspekte benannt, welche die erste Phase prägten: Das um zusätzliche Funktionalität optimierte Schulportal, neue digitale Werkzeuge und vor allem flankierende Fortbildungsangebote. Ziel ist die passgenaue, fachlich angemessene und auf Fachschafts-Ebene gemeinsam reflektierte, verbindliche Integration der neuen Möglichkeiten in unser Kerngeschäft: den Unterricht.

Phase 2: Zum Schuljahresbeginn 2022/23 greifen wir die Prinzipien und Ergebnisse der ersten Phase auf, vertiefen und verstetigen sie mit dem Ziel, gemeinsam digital kompetenter zu werden.

Noch stärker als in Phase 1 ist die Kommunikation zwischen Kolleginnen und Kollegen akzentuiert, ohne die es keinen nachhaltigen Fortschritt auf unserem gemeinsamen Weg geben wird.

Angestoßen durch die Dienstversammlung am Ende der Sommerferien, werden in den Fachschaften nach dem Vorbild der Arbeit des Pädagogischen Tags im Februar weitere digital gestützte Unterrichtsmodule (DGU) diskutiert, gemeinsam formuliert und erprobt.

Die Steuergruppe bietet dabei Unterstützung sowohl durch die Begleitung der Fachkonferenzen, die zum Thema „Beitrag des Faches zum Medienbildungskonzept der WSF“ tagen, als auch durch das Bereitstellen von erleichternden Werkzeugen an. Bei diesen Werkzeugen handelt es sich um a) das Online-Formular zur Erfassung der digital gestützte Unterrichtsmodule und digitalen Projekte, wobei das Formular so knapp wie möglich gehalten ist und durch Auswahlmöglichkeiten ein gewisses Maß an Vergleichbarkeit und Vernetzung mit den KMK-Vorgaben herstellt, sowie um b) die „Whitelist“. Sie bietet Zugriff auf eine handverlesene Auswahl kostenlos nutzbarer digitaler Werkzeuge und liefert jeweils auch didaktische Nutzungsmöglichkeiten, so dass, passend zum Vorhaben, neue Werkzeuge auffindbar sind. Dadurch sollen die Projekte stärker vom inhaltlichen Ziel und didaktischen Zentrum als vom Werkzeug her geplant und formuliert werden können.

Die Ausarbeitungen der Fachschaften werden in unserem, den Digitalisierungsprozess begleitenden, Moodle gesammelt und sollen frei zugänglich und interaktiv recherchier- bzw. sortierbar sein, so dass deren Durchführung nicht personengebunden ist und auch die Möglichkeit fachübergreifender sowie fächerverbindender Kooperation besteht.

Die Steuergruppe analysiert die Sammlung, präzisiert die Verknüpfung mit den KMK-Vorgaben, stellt Entwicklungsbedarfe fest und integriert die Sammlung in das Medienbildungskonzept und in die Profil-Arbeit der Winfriedschule.

Damit ist dann ein Prozess in vollem Gang, der in nachfolgenden Jahren (Phase 3) fortgeführt, evaluiert und weiter vertieft werden soll: a) Verschwinden digitale Werkzeuge oder erweisen sich Projekte als nicht zielführend oder nicht bereichernd, wird Ersatz geschaffen. – b) In der zweiten und dritten Erprobungs-Schleife der Projekte werden die digital gestützten Unterrichtsmodule um Dokumentation und Reflexionsnotizen ergänzt. Dadurch kann den Projekten ggf. der nötige Feinschliff verliehen und weitere, sich in der wiederholten Durchführung in verschiedenen Lerngruppen ergebende Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. – c) Bereiche der KMK-Kompetenzen, in denen noch wenig gearbeitet wird, werden durch spezifische Impulse, Workshops und AG-Arbeit verstärkt ins Vidier genommen und mit den bestehenden Projekten verbunden.

Ja, der Weg zur medial kompetenten Schule ist ein Weg mit vielen Unbekannten, ein Weg, der sicher auch bei Lehrenden wie bei Lernenden auf Widerstände und Probleme stößt, aber es ist ein gemeinsamer Weg. Die Schulgemeinde der Winfriedschule beschreitet diesen Weg, um sich zeitgemäß weiterentwickeln zu können. Gutes, Altbewährtes muss bleiben! Das Gute, Altbewährte kann aber digital unterstützt werden. Beim Erstellen des Medienbildungskonzepts für die Winfriedschule soll nichts „für die Tonne“ produziert werden, sondern in aller Ruhe und Gründlichkeit erforscht werden, ob bzw. wie sich das große Ganze unseres Tuns durch die vorsichtige und durch den Fachdiskurs abgesicherte Integration der neuen Werkzeuge vielleicht auch verändert: Es steht dabei wohl nicht zu befürchten, dass „alles anders wird“, aber wenn wir uns gemeinsam auf diesen Weg begeben, wenn wir vom Ziel und vom Potenzial der Werkzeuge her denken und uns nicht von deren Vielzahl und verwirrenden Versprechungen täuschen und einschüchtern lassen, dann kann sich doch auch ein Raum auftun für die Erfahrung, dass sich das Was, das Wie und das Wozu unseres unterrichtlichen Tuns in dynamischer und damit zeitgemäßer Weise weiterentwickeln.

Ina Preis und Matthias Heil, 3. Juli 2022